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Hecken - wichtiger Lebensraum

Aktualisiert: 6. Dez. 2023


Titelbild Blogbeitrag Streuobstwiese Am 8. November 2023 wird in Hünstetten Görsroth eine Pflanzaktion stattfinden

Hecken – wertvolle Bestandteile unserer Kulturlandschaft Seit die Menschen sesshaft wurden und Viehzucht und Ackerbau betrieben, legten sie auch Hecken an, um sich und ihren Besitz zu schützen. Das Wort Hecke kommt von „hecken“, was bedeutet „Junge zur Welt bringen“. Es wird heute noch als „Geheck“ verwendet, um bei Raubwild oder Wasserwild den Platz zu bezeichnen, wo die Jungen aufgezogen werden. Im Althochdeutschen bedeutete das Wort „hegga“ hegen oder behüten. So entstand auch der „Hag“ und viele Heckenpflanzen tragen diesen Hag im Namen wie Hagedorn (Weißdorn), Hagerose (Hundsrose) oder Hagebuche (Hainbuche). Für das Zäunemachen waren sogenannte „Häger“ oder „Heger“ zuständig. Sie verflochten die Dornensträucher miteinander oder knickten und bogen sie nieder. Deshalb nennt man diese Hecken auch in manchen Gegenden „Knicks“ oder „Gebück“. Schon Julius Cäsar beschrieb 57 v. Chr. Wehrhecken, die über 35 Meter breit waren und für den Feind kein Durchkommen ermöglichten. Für die Bauern hatten die Hecken jedoch noch eine ganze Reihe wichtiger Bedeutungen. Ihnen war es nicht erlaubt, im Wald Holz zu sammeln; daher bot das Zurückschneiden der Heckenstämme Feuer- und Bauholz. Die Äste dienten im Winter als Futter und das Laub wurde als Einstreu für die Ställe verwendet. Es wurden Reiserbesen, Weidekörbe und Holzrechen hergestellt. Die Heckenfrüchte halfen den Menschen, den Winter und die entbehrungsreichen Zeiten zu überleben. Im zeitigen Frühjahr fand man unter dem Schutz der Hecken bereits Pflanzen und Kräuter wie Brennessel, Knoblauchsrauke oder Gundermann, die mit ihrem hohen Vitamin C- und Mineraliengehalt den Körper stärkten. Auch Knospen, junge Blätter und Blüten dienten als Heil- und Nahrungsmittel. Im Herbst sorgten Beeren und Nüsse für einen energiereichen Wintervorrat. Hecken galten in vielen Kulturen als heilig und durften nicht entfernt werden. In Irland findet man heute noch große Weißdornbüsche auf Viehweiden, weil das Entfernen Unglück für den Bauern und sein Vieh bringen soll. Das große Heckensterben begann ab dem 20. Jahrhundert. Die voranschreitende Industrialisierung erforderte einen massiven Wegeausbau. Zum Transport von Gütern wurden Straßen und Wege verbreitert und befestigt und die Hecken mussten weg. Durch die Industrialisierung der Landwirtschaft und die Einführung von Traktoren und Maschinen wurde die Bearbeitung größerer Flächen mit einer Steigerung der Erträge möglich. Gleichzeitig begann man, das Vieh ganzjährig in Ställen zu halten. Mit der sogenannten Flurbereinigung begann eine massive Umgestaltung und Ausräumung der Landschaft. Die Natur wurde der Landwirtschaft untergeordnet, Hecken und Feldgehölze gerodet, Feuchtwiesen trockengelegt, Bäche begradigt und kanalisiert und Streuobstwiesen zu Äckern umgewandelt. Heute weiß man, dass dieser massive Eingriff in das natürliche Gleichgewicht katastrophale Folgen für unsere Natur und die Artenvielfalt hat. Hecken bilden ein eigenes Mikroklima, sie bremsen den Wind ab, fördern die Taubildung und können die Temperatur ausgleichen. Sie bilden eine Grenzlinie zu einem anderen Biotop (z. B. einer Wiese) und haben deshalb eine besonders wertvolle Funktion für die Tier- und Pflanzenwelt. Sie dienen als Nahrungsbiotop, Brut- und Aufzuchtplatz, Ansitz- und Singwarte, Schlafplatz, Winterquartier usw. Von Insekten über Amphibien, Reptilien, Kleinsäugern, Vögeln bis zu Fuchs und Reh bieten vielgestaltige Hecken etwa 1.000 verschiedenen Tierarten einen Lebensraum. Wildbienen, Hummeln und Honigbienen schätzen vor allem die nektar- und pollenreichen Frühblüher, wie beispielsweise Hasel, Weide oder Schlehe; aber ebenso profitieren sie von Spätblühern wie Brombeere und Hartriegel. Die Salweide ist mit 213 Insektenarten der am meisten besuchte Strauch. Für die Vogelwelt sind die dornigen Sträucher ein guter und sicherer Brutplatz und die vielfältigen Heckenfrüchte bieten reiche Nahrung bis zum Spätwinter. Auf der "Hitliste" der besten Heckensträucher steht die Vogelbeere mit 63 Vogelarten ganz oben, dicht gefolgt vom Schwarzen Holunder und der Vogelkirsche. Hecken sind ein wichtiger und unverzichtbarer Teil unserer Kulturlandschaft und Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Glücklicherweise werden sie heute eher geschützt als gerodet und können so einen wertvollen Beitrag zur Biotopvernetzung und zum Erhalt der Artenvielfalt leisten. Quelle: „Geheimnisse der Hecken“ von Rudi Beiser

 

Veranstaltungshinweis

Am 8. November 2023 findet eine große Pflanzaktion statt. Wir wollen auf einem ehemaligen Acker eine Streuobstwiese mit umlaufender Wildobst- und Vogelschutzhecke angelegen. Dazu wird Josef Weimar, überregional bekannter Obstbaulehrer und Ausbilder beim Landschaftspflegeverband RTK (LPV), eine theoretische Einleitung geben. Die Aktion beginnt um 9:00 Uhr auf dem Acker „Auf dem Schaflehr“ in Görsroth. Der Weg ist ab dem Hof Leukel ausgeschildert. Von dort sind es etwa 200 m Fußweg. Für einen Mittagsimbiss und Getränke ist gesorgt. Die Pflanzaktion findet bei jedemWetter statt.

 

Autorin: Ute Leukel-Fischer


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